Presse - Artikel aus dem Freien Wort vom 17.04.2026

Leerstand in Suhl ist kein Thema für die AWG „Rennsteig“. Wie schafft die Wohnungsgenossenschaft das? Und was wird getan, um junge Familien anzulocken?

Von Doreen Fischer

Suhl. Wenn die AWG „Rennsteig“ in Suhl neu bauen wollte, dann hätte sie Grundstücke am Fallmich dafür. Will sie aber nicht. Auch wenn die Spatzen in Suhl bereits diese Gedanken von den Dächern pfeifen. „Die Baupreise sind einfach zu hoch“, erklärt Andreas Näder, Technischer Vorstand des Unternehmens, warum man über solch ein Projekt momentan gar nicht nachzudenken braucht.

Dass es bereits verschiedene Konzepte zur Besiedelung des Areals am Fallmich gegeben hat, streitet Thomas Brösicke, der Kaufmännische Vorstand, gar nicht ab. „Die Pläne sind momentan auf Halde.“ Nach derzeitigem Stand wird auch nicht darüber nachgedacht, die 6000 Quadratmeter große Fläche zu veräußern.

Niedriger Leerstand

Es geht vielmehr darum, den bestehenden Wohnungsbestand wieder aufzufrischen. Dass dies das richtige Konzept ist, zeigt der extrem niedrige Leerstand. Lediglich 3,2 Prozent der Wohnungen im Kernbestand sind nicht vermietet. Der Großteil deshalb, weil vor und nach Umzügen in aller Regel die Räume einige Zeit leer stehen, um sie für neue Mieter herzurichten.

Freilich kann es die AWG nicht allein bei Sanierungen belassen. Noch bis Jahresende wird in Suhl-Nord der Wohnblock in der Kornbergstraße leergezogen. Die derzeit noch 14 laufenden Mietverträge in dem Objekt mussten zum Jahresende gekündigt werden.

Leerzug ist auch für die dann letzte AWG-Platte in Suhl-Nord in der Lauterkopfstraße 1 bis 25 vorgesehen. Noch allerdings leben dort 50 Familien.

Rückzug aus Suhl-Nord

Die AWG setzt seit 2005 um, was 2010 auch der Stadtrat mit dem Stadtentwicklungskonzept 2025 beschlossen hat. Damals war geplant worden, in Suhl-Nord den nahezu vollständigen Rückbau des Wohnungsbestandes bis 2025 abzuschließen. Die Frist ist abgelaufen. Wann es für die letzten AWG-Mieter so weit sein wird, dass sie aus Suhl-Nord wegziehen, das ist noch offen.

Der Vorstand jedenfalls kennt nur eine Blickrichtung. Die zeigt nach vorne.

„Wir haben mit der Carl-Fiedler-Straße 52 die zweite Sanierungswelle angestoßen“, sagt Andreas Näder. Weiter geht es 2027 im Auhammerweg 1. Ein Jahr später folgen Judithstraße 12 bis 28 und Alexander-Gerbig-Straße 2 bis 8.

In den genannten Gebäuden nehmen sich die Verantwortlichen Trink- und Abwasserleitungen, Elektroinstallation, Wärmedämmung an den Fassaden, Treppenräume und Freianlagen vor.

Für den Einbau von Aufzügen wird es allerdings nicht reichen.

„Wir prüfen das und wägen die Wirtschaftlichkeit ab. Schlussendlich müssen die Mieter die Betriebskosten zahlen“, gibt Thomas Brösicke zu bedenken. Zudem weist Andreas Näder darauf hin, dass staatliche Förderungen für Aufzüge an Altbauten aktuell nicht vorgesehen sind.

Junge Familien im Blick

Vor allem junge Familien wünscht sich die AWG. Solche, die in Suhl ihre Zukunft sehen. Doch diese Mieter kommen nicht von alleine. Deshalb steuert der Vermieter seine Aktivitäten so, dass sich Kinder wohl fühlen.

Erst im Dezember wurde beispielsweise in der Auenstraße ein neuer Spielplatz übergeben. 40.000 Euro hat die AWG dafür investiert. Es ist gut angelegtes Geld. Angenommen wurde er sofort.

Suhl, die grüne Oase

Andreas Näder ist es auch, der gerne die Werbetrommeln für Suhl rührt.

„Hier lässt es sich gut leben. Suhl, die grüne Oase. Über die Autobahn lässt es sich ganz schnell zu jedem Arbeitsstandort fahren. Und vor allem kann man hier weit preiswerter leben als in der Großstadt.“

Sorgen bleiben

Bei allen guten Nachrichten, es gibt auch die Dinge, die dem Unternehmen Sorgen bereiten. Eine davon heißt: Mietschulden.

Vor allem dann, wenn Mieter sterben, können Verbindlichkeiten auflaufen, bis die Genossenschaft in die Wohnung darf. Oder wenn Mieter unbekannt wegziehen. Schwieriger wird es dann, wenn sie ihren neuen Wohnsitz im Ausland haben.

Und dann gibt es noch die Fälle, in denen Mieter mit einem Mal arbeitslos werden.

„Wir haben zwei Sozialbetreuer“, nennt Thomas Brösicke eine wichtige Hilfe in solchen Situationen. Denn diese beiden Mitarbeiter wissen, welche Anträge bei wem gestellt werden müssen, um finanziell in kein Loch zu fallen.

Übrigens: Im kommenden Jahr wird die AWG in Suhl ihren 120. Geburtstag feiern.

weitere Presseartikel