Unterwegs – ein munterer Dialog
Suhl. Tatsächlich sind es schon fast 40 Jahre, in denen die Malgruppe Permanentgrün unterwegs ist. Unterwegs – das ist die Überschrift für die Ausstellung, die am Donnerstagabend in der Galerie in der Geschäftsstelle der AWG „Rennsteig“ eröffnet wurde. Und das mit einem sehr großen Publikum, das erleben will, womit sich Gruppe, die 1986 als Zirkel für bildende Künstler gegründet wurde, präsentiert. Es sind Arbeiten, die über die Jahre in Pleinairs entstanden sind. Also beim künstlerischen Schaffen unter freiem Himmel bei natürlichen Licht- und Schattenverhältnissen und naturgegebener Farbigkeit. Es sind Begegnungen mit der Landschaft, mit Architektur, mit Stimmungen, denen die Künstler mit ihrer ganz eigenen Handschrift ihren ganz persönlichen Ausdruck verliehen haben. Einen Ausschnitt aus diesem Schaffen liefert nun die Schau der Gruppe, für deren Namen „Permanentgrün“ Michael Kühn – er ist einer der Gründungsmitglieder – die Initialzündung gab. Und der für Natur stehe, für Landschaften und auch für Haltung, wie Frank Rothämel sagt. Es ist ein unglaublicher Spannungsbogen, den die Künstler mit ihren verschiedenartigen Arbeiten, die sich unter einem Dach in einen munteren Dialog begeben, schaffen. Tobende Farben, sanfte Färbungen, feine Linien, Abstraktes, Architektonisches, Klein und Großformatiges, besondere Natur-Launen, die den Betrachter mitunter regelrecht aufsaugen, Entdeckungen, die das besondere Auge brauchen … Diese Schau, die Aquarelle und Grafiken genauso zeigt wie Bleistift-, Tusche- und Kugelschreiberzeichnungen, bedient ihr Publikum auf eine spannende und abwechslungsreiche Art. Was Wunder, haben die zehn Künstler doch jede Menge zu erzählen. Mit Stift, Kohle und Pinsel. Mit ihren Werkzeugen also, mit denen sie eingefangen haben, was ihnen unterwegs unter freiem Himmel vor die Augen kam. Und was ihnen vielleicht nicht vor die Augen gekommen wäre, hätte es die Pleinairs in der Gemeinschaft nicht gegeben, wie Christina Hennig meint. Auch wenn sich das erst einmal lauschig anhört, mit Klapptisch, Picknick, Malzeug und Gleichgesinnten in die Landschaft zu ziehen, überraschende Effekte von Regentropfen und Sonnenstrahlen einzusammeln – „das Malen unter freiem Himmel ist nichts für Weicheier“, sagt Dieter Kiehle. Da müssen auch schon mal Schwärme von fliegenden Ameisen, die sich auf Pinseln, Papier und Farben niederlassen, ausgehalten werden, wie sich Katja Beck erinnert. Auch der Stier, der vor ihrem roten Auto triumphierte, brauchte Langmut. Ebenso die äußerst neugierigen Kuhherden. Auch das passiert unterwegs.
Quellen für Motive und Inspirationen
Für den Unterwegs-Komfort sorgt Hans Turczynski, der sich vor 17 Jahren der Malgruppe angeschlossen hat und begeistert ist, auf seine alten Tage noch Lernender sein zu können, mit seinem Wohnmobil. In dem ist alles verstaut, was die Künstler für ihre Arbeit im Freien brauchen. Für die Pleinairs, die in den vergangenen 39 Jahren 35 Mal stattgefunden haben. Aus ihnen schöpfen die Frauen und Männer jede Menge Motive, Inspiration, Effekte, Farben, Stimmungen … Vieles also, was die Ausstellung in wohl gewählten Ausschnitten widerspiegelt. In den einzelnen Bereichen, in denen sich jeder aus der Gruppe für sich präsentiert. Und an der einen Galerie-Wand, an der sich alle zehn Künstler mit je einem Werk gemeinsam präsentieren. Hier treffen die „Abendsonne“ (Maria Deichmüller), „Tanzende Kirchen“ (Dieter Kiehle), „Winterbäume“ (Christina Hennig), die „Old Packhorse Bridge“ (Gerhard Usbeck), das „Zella-Mehliser Waldstück (Volker Krieck), der „Blick auf eine Kirche“ (Hans Turczynski), „Kraft finden“ (Katja Beck), eine Tusche-Zeichnung aus St. Kilian (Frank Rothämel), eine Acryl-Arbeit ohne Titel (Sibylle Michaelis) sowie „Sächsische Hochsteine“ (Michael Kühn aufeinander und erzeugen einen ganz eigenen Dialog. Einen, der von Gemeinschaft spricht. Von Können und Freude am kreativen Schaffen. Dafür, dass die gelungen Schau eine nicht minder gelungene Vernissage erlebt, tragen auch Felix Kupfer (14) und Max Berthold (16) bei – mit Musik, die beschwingt und zum Thema „unterwegs“ bestens passt.
Die Ausstellung kann bis Ende April 2026 zu den Öffnungszeiten der AWG-Geschäftsstelle besichtigt werden.
Zehn Künstler, zehn Handschriften und etwa 100 Bilder. Was sich in der Rennsteig-Galerie der AWG präsentiert, ist ein fantastischer Dialog von Einzelarbeiten, die in der Gruppe Permanentgrün entstanden sind.
Das sind die Protagonisten der Ausstellung, die derzeit in der AWG-Geschäftsstelle läuft: Katja Beck, Sibylle Michaelis, Christina Hennig, Maria Deichmüller, Hans Turczynski, Volker Krieck, Michael Kühn, Frank Rothämel, Gerhard Usbeck und Dieter Kiehle.
Katja Beck Jahrgang 1977, selbstständige Meisterin des Friseurhandwerks.
Maria Deichmüller Jahrgang 1941, Lehrerin für Kunsterziehung und Deutsch (im Ruhestand).
Christina Hennig Jahrgang 1954, Diplomingenieur für Verfahrenstechnik (im Ruhestand).
Dieter Kiehle Jahrgang 1949, Lehrer für Mathematik und Physik (im Ruhestand).
Volker Krieck Jahrgang 1961, Instandhaltungsmechaniker.
Michael Kühn Jahrgang 1951, Schrift- und Grafikmaler (im Ruhestand).
Sibylle Michaelis Jahrgang 1963, Grundschullehrerin.
Frank Rothämel Jahrgang 1958, Galerist (im Ruhestand).
Gerhard Usbeck Jahrgang 1949, Diplom-Formgestalter (im Ruhestand).
Hans Turczynski (1949), Lehrer für Russisch und Geografie (im Ruhestand).